Rubrik: DIN EN 62079 – Sprache und Formulierungen
Schreiben kann doch jeder! Das mag (fast) wahr sein, aber Sprache zweck- und zielgruppengerecht einzusetzen erfordert mehr als das Beherrschen von Grammatik und Rechtschreibung.
Nach unserem vorigen Beitrag über Gefahrenhinweise geht es heute um ein weiteres grundlegendes Thema der EN 62079: Sprache und Formulierungen in Anleitungen. Hier finden Sie die wichtigsten Anforderungen:
Die Landessprachen
Bei der Auswahl der zu liefernden Landessprachen müssen die jeweiligen Zielgruppen berücksichtigt werden.
Falls mehrere Landessprachen geliefert werden, müssen diese möglichst eindeutig voneinander getrennt werden. Im Idealfall gibt es für jede Landessprache eine separate Anleitung. Separate Hauptabschnitte oder Seiten sind auch möglich. In diesem Fall muss darauf geachtet werden, dass sich ergänzende Textteile und Abbildungen auch in den Übersetzungen zusammen gehalten werden.
Fachbegriffe
Der Zielgruppe möglicherweise nicht bekannte Fachbegriffe und Abkürzungen müssen so weit wie möglich vermieden werden. Natürlich kann man nicht vollständig auf Fachbegriffe verzichten, schließlich wollen bestimmte Gegenstände und Vorgänge eindeutig bezeichnet werden. Unvermeidbare Fachbegriffe und Abkürzungen müssen aber beim ersten Verwenden in der Anleitung erklärt werden.
Gleiches muss immer gleich bezeichnet werden, sowohl in der Anleitung als auch auf der Verpackung und in anderen Begleitmaterialien (konsistente Terminologie).
Handlungsanweisungen
Ein Satz darf nur eine Handlungsanweisung beinhalten. In Ausnahmefällen ist auch eine kleine Anzahl eng zusammenhängender Handlungsanweisungen möglich.
Formulierungen
Formulierungen in Anleitungen müssen möglichst klar, eindeutig und direkt sein:
- In Anleitungen sollen Verben im Aktiv und nicht im Passiv verwendet werden. Beispiel: 'Schalten Sie den Strom ab!', nicht: 'Der Strom muss abgeschaltet werden.'
- Die Ausdrucksweise muss bestimmt sein. Beispiel: 'Schalten Sie den Strom ab!', nicht: 'Sie sollten den Strom abschalten.'
- Substantivierungen von Tätigkeiten müssen vermieden werden. Beispiel: 'Den Strom abschalten', nicht: 'Das Abschalten des Stroms'.
- Anwender müssen direkt angesprochen werden. Beispiel: 'Schalten Sie den Strom ab!', nicht: 'Anwender müssen den Strom abschalten.'
Standardisierung
Soweit sinnvoll sollen standardisierte Sätze verwendet werden. Dies verringert zusätzlich den Aufwand bei Übersetzungen.
Formulieren von Warnhinweisen
- Texte von Warnhinweisen müssen auf das Wesentliche beschränkt werden.
- Anweisungen, was zu tun bzw. zu unterlassen ist, müssen klar und eindeutig formuliert werden.
- Warnbegriffe müssen in Anleitungen, auf dem Produkt und in weiteren Begleitmaterialien konsistent verwendet werden.
Fazit
Wer diese Hinweise beim Verfassen von Anleitungstexten beachtet, hat eine gute Grundlage für verständliche Texte geschaffen. Diese umzusetzen setzt allerdings voraus, dass der Verfasser in der Lage ist, seinen Sprachstil bewusst an Informationsziele und Zielgruppe anzupassen. Diese Sprachkompetenz besitzt leider nicht jeder, sie muss erlernt werden. Dazu bedarf es einer passenden Ausbildung und längerer Erfahrung.